Digitale Sichtbarkeit und KI-gestützte Kommunikation
Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel begleitet Händler:innen bei der Digitalisierung. Anhand dieser Beispiele wird gezeigt, wie die digitale Transformation im Einzelhandel aussehen kann.
Im Rahmen des Digitalisierungsprojekts mit dem Brautmodengeschäft „Elly Tille“ wurde die Onlinepräsenz strategisch analysiert und optimiert, um die Sichtbarkeit zu erhöhen, Social Media aktiver zu nutzen und in Zukunft für die Website-Kommunikation KI zu nutzen.
Das Unternehmen
Das Unternehmen „Elly Tille“ (ehemals „Brautmoden Tille“) ist ein Brautmodengeschäft in Dresden mit persönlicher Beratung und einem kuratierten Sortiment. Die Gründerin Elly Tille eröffnete 1945 in Dresden ihr erstes Modeatelier und stellte über die Jahre bis zu zehn Schneiderinnen ein, präsentierte ihre Modelle bei Modenschauen und baute einen Kostümfundus auf. 1987 wurde das Unternehmen an die nächste Generation, den Sohn und die Schwiegertochter von Elly Tille, übergeben. Die neuen Inhaber:innen modernisierten das Haus, legten den Fokus auf Braut- und Herrenmoden und änderten den Namen zu „Brautmoden Tille“. Ihre Tochter, Claudia Tille-Doebelt, übernahm das Brautmoden-Geschäft 2012 in dritter Generation und überarbeitete den Brautsalon. 2025 wurde „Brautmoden Tille“ zu „Elly Tille“, der Gründerin, umbenannt, um die Markenpositionierung zu stärken und eine persönlichere Wirkung nach außen zu erzielen.
Die Herausforderung
Die bestehende Website des Brautmodengeschäfts verfügte bereits über eine moderne Gestaltung, hatte aber Optimierungspotenziale im Hinblick auf erhöhte digitale Sichtbarkeit, Website-Performance und Informationsqualität. Neben der Optimierung der Website ging es zudem um eine Professionalisierung des Social-Media-Auftritt des Unternehmens.
Für die Website-Optimierung wurden zur besseren Übersicht vier Punkte ausgearbeitet, die im Zuge des Projekts überarbeitet werden sollen.
- Erhöhung der digitalen Sichtbarkeit
- Suchmaschinen + generative Suche/Antwortsysteme
- Verbesserung der Website-Performance und Informationsqualität
- Orientierung und Conversion stärken
- Professionalisierung des Social-Media-Auftritts
- Regelmäßigkeit, Tonalität, Formate
- Aufwand reduzieren
- Anbindung an KI
- Wiederkehrende Fragen besser beantworten
- Unterstützung von Prozessen (z. B. Weiterleitung zur Terminbuchung)
Vorgehen und Maßnahmen
1. Analyse: SEO- und GEO-Check der Website
Um technische und inhaltliche Hebel zu erkennen, wurde im ersten Schritt ein strukturierter Website-Check (inkl. Wettbewerbsblick) mit Fokus auf SEO und GEO durchgeführt. Ziel war es, sichtbar zu machen, wie „Elly Tille“ die Ladezeit der Webseite, die Sichtbarkeit auf Mobilgeräten und die Keyword-Performance optimieren kann.
Beim Website-Check zeigten sich fünf zentrale Potenziale, die das Nutzererlebnis und die Sichtbarkeit der Seite deutlich verbessern könnten:
Im Bereich Technik und Performance wurden Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten bei Bildgrößen und Ladezeiten sowie auf eine bessere Lesbarkeit von Texten über Bildern festgestellt, dennoch präsentierte sich das gesamte Erscheinungsbild aber responsiv. Bei der Navigation und Orientierung war die Struktur grundsätzlich klar, dennoch wurden Empfehlungen zur besseren Nutzer:innenführung gegeben, etwa durch präzisere Benennungen und zusätzliche Orientierungshilfen. Im Bereich SEO-Content viel auf, dass viele Bereiche stark bilgetrieben sind, daher wurde dort der Einsatz erklärender Inhalte und Ratgeberformate empfohlen, etwa zur Anprobe, Vorbereitung oder zu Entscheidungs- und Beratungsprozessen. Zudem sollten META-Daten, ALT-Texte, URL-Struktur und interne Verlinkungen optimiert werden. Conversion und Call-to-Actions sind zwar vorhanden, sie sollten jedoch konsistenter und prominenter platziert werden, um die Nutzer:innen stärker zu leiten. Schließlich besteht im Bereich Trust und Social Proof noch Potenzial, dasVertrauen durch sichtbare Bewertungen und Testimonials sowie durch stärkere Signale wie „Über uns“ oder „Team-Vorstellung“ zu erhöhen.
Diese Analyse wurde als Analysebericht A erstellt, der auf die zu dem Zeitpunkt aktuellen Stärken und Schwächen der Website einging, mit Fokus auf die technische und inhaltliche Aufarbeitung der Usability.
| Bereich | Beobachtung / Stärken | Schwächen / Hinweise zur Verbesserung |
|---|---|---|
| Technik / Performance / Responsivität |
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| Navigationsstruktur / Menüführung |
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| Content / Texte / Informationsdichte |
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| Call-to-Action / Conversion-Elemente |
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| Vertrauen & Seriosität / Social Proof |
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| SEO / On-Page-Grundlagen |
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Neben Analysebericht A wurde auch ein Teil B erstellt.
Dieser Teil demonstriert die Wahrnehmung der Website aus der Perspektive einer potenziellen Kundin.
Mehrere Faktoren können dazu führen, dass eine potenzielle Kundin eine Website frühzeitig verlässt. Ein zentraler Punkt ist eine unzureichende Informationsbasis, wenn bspw. wichtige Details zum Ablauf einer Brautkleidanprobe, zu Kosten oder zur Vorbereitung teilweise nicht klar erkennbar sind und eine Unsicherheit entsteht. Gleichzeitig fehlen häufig Erfahrungsberichte oder Beispiele realer Kund:innen, was es erschwert, die Qualität und Zuverlässigkeit des Angebots einzuschätzen. Auch schwach platzierte oder unklare Call-to-Actions können dazu führen, dass Interessent:innen abspringen, insbesondere wenn Terminvereinbarungen oder Kontaktmöglichkeiten nicht sofort erkennbar sind. Zudem spielen Vertrauen und Transparenz spielen eine wichtige Rolle, so können bspw. Bewertungen, Hinweise zu Preisen oder Preisspannen sowie klare Informationen zu Kauf- oder Verleihoptionen können helfen, Hemmschwellen abzubauen. Darüber hinaus können Usability-Probleme, etwa auf mobilen Geräten bei Ladezeiten oder in der Navigation, die Nutzung erschweren.
1. Zu wenig Informationen / unsichere Entscheidungsgrundlage
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2. Unklare / schwache CTA / Kontaktmöglichkeit
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3. Vertrauensfragen / Sicherheit
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4. Preis / Transparenz / Auswahl
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5. Usability-Hürden
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6. Fehlende Spezialisierung / Differenzierung
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Zudem wurde eine Wettbewerbsanalyse durchgeführt, um besser zu verstehen, wie sich die Website im Vergleich zu den Wettbewerber:innen in den Suchergebnissen positioniert und welche strategischen Maßnahmen hinter den Platzierungen anderer Anbieter:innen stehen könnten. Darüber hinaus dient die Analyse als Grundlage, um fundierte Entscheidungen für zukünftige Maßnahmen im Bereich Suchmaschinenoptimierung zu treffen.
| Eine erste Wettbewerbsanalyse im Google Ranking zeigt, dass markante Wettbewerber über SEA Werbung im Ranking vorn positioniert sind. Die anderen weiter vorn liegenden lassen den Schluss zu, dass eine aus Analysen basierende Keywordbestimmung eingesetzt wurde. Um diese zu identifizieren, sollte weitere Expertise zugezogen werden, die mit Tools wie Ahrefs, SEMrush oder Sistrix diese Aufgabe erledigt. So kann man mit neuen Inhalten der bestehenden Seite den Suchalgorithmus besser ansprechen. Diese Experten können zu jedem Keyword das durchschnittliche monatliche Suchvolumen, den Trend (Steigend / fallend) und Konkurrenzstärke anzeigen. Diese Keywords werden dann nach Wörtern mit gutem Volumen und mittlerer bis niedriger Konkurrenz geordnet. |
2. Analyse: Social Media und Prozessunterstützung durch einen GPT-Agenten
Nach der Bestandsaufnahme der bisherigen Social-Media-Aktivitäten, bei der unter anderem die Posting-Frequenz und Call-to-Actions betrachtet wurden, wurde ein Social-Media-Agent (GPT) entwickelt, der die Content-Erstellung im Alltag systematisiert. Ziel ist es, einen klaren und wiederholbaren Workflow zu schaffen, der die Planung und Erstellung von Beiträgen vereinfacht.
Der KI-Agent startet wöchentlich mit einer kurzen Themenabfrage und erstellt darauf basierend direkt fertige Social-Media-Posts für Instagram und Facebook. Diese folgen einer festgelegten Struktur mit Hook, Textlänge, Call-to-Action, passenden Hashtags und einem Bildvorschlag. Gleichzeitig orientieren sich die Inhalte an einer festgelegten Tonalität sowie an klaren inhaltlichen Leitplanken, sodass die Ansprache der Zielgruppe gleichbleibt.
Dadurch wird der Arbeitsaufwand reduziert und gleichzeitig eine einheitliche Markenkommunikation unterstützt.
Du bist der Social-Media-Agent von Brautmoden Tille (Dresden). Jeden Montag fragst du proaktiv: “Welche zwei Themen möchtest du diese Woche promoten?” (Beispiele: neue Kollektion, Accessoires, Beratung, Rabatt, Event, Testimonial, Trend). Sobald zwei Themen genannt sind, lieferst du sofort genau zwei veröffentlichungsfertige Posts (für Instagram & Facebook) im klaren Kopier-Format. So antwortest du: Struktur je Post (immer einhalten): Arbeitsablauf (wöchentlich): Interaktionsregeln: |
Strategische Weiterentwicklung: Umbenennung zu „Elly Tille“
Im Projektverlauf wurde die Umbenennung zu Elly Tille entschieden und auf der Website kommuniziert. Das stärkt die Differenzierung (Historie/Tradition) und unterstützt die Wiedererkennbarkeit in Such- und Social-Kanälen.
KI-Anbindung der Website
Als nächster Schritt wurde die Website über das Tool AICNCT (AI Connect) mit der KI verbunden. Durch die Integration von /llms.txt und Connectoren haben die KI-Agents nun Zugriff auf die Aktionen und Endpunkte der Website.
Die Umsetzung erfolgte dabei in mehreren Schritten. Zunächst wurden die relevanten Use-Cases priorisiert, wie Anprobe-FAQ, Vorbereitungshinweise, Sortimentseinblicke oder die Weiterleitung zu Kontakt und Terminbuchung. Anschließend wurde eine Wissensbasis definiert, die auf freigegebenen Seiten und FAQs beruht und einen klaren Aktualisierungsprozess verlangt. Im nächsten Schritt wurde AICNCT, inklusive der Connectoren, llms.txt sowie einem Daten- und Rechtekonzept integriert, was den sicheren Zugriff gewährleistete. Abschließend folgten Test und Qualitätssicherung, um die Antwortqualität zu prüfen, Quellen auf Richtigkeit zu prüfen und zu verlinken und eine reibungslose Übergabe an Termin- oder Kontaktfunktionen zu gewährleisten.
Durch diese Anbindung kann die KI, die Inhalte der Website und ihre Struktur erkennen, wodurch die Website künftig schneller von Agenten gefunden werden kann und die Interaktion für Nutzer:innen effizienter gestaltet.
Fazit
Das Händlerprojekt mit dem Brautmodeladen „Elly Tille“ zeigt, wie digitale Maßnahmen und Künstliche Intelligenz im Traditionsunternehmen gezielt eingesetzt werden können, um die Sichtbarkeit, das Markenprofil und die Kundenansprache zu verbessern.
Auf Basis der Analysen der Website und des Wettbewerbs wurde ein konkreter Maßnahmenkatalog entwickelt, der insbesondere auf eine bessere Sichtbarkeit, klarere Nutzerführung, stärkeres Vertrauen und höhere Conversion abzielt. Zeitgleich wurde das Markenprofil durch die Umstellung von „Brautmoden Tille“ zu „Elly Tille“ geschärft und durch ein persönliches Storytelling auf der Website unterstützt.
Ergänzend dazu wurde ein strukturierter Social-Media-Prozess aufgebaut. Ein GPT-Agent erstellt nun regelmäßig Posts nach festgelegten Kriterien und erleichtert so die kontinuierliche Kommunikation des Handelsunternehmens.
Durch die zusätzliche KI-Anbindung der Website wurde zudem eine Basis geschaffen, damit die Inhalte in der Zukunft auch von KI-Agenten besser erkannt und gefunden werden können.
Sichtbarkeit entsteht nicht nur über Technik: Inhalte, die Unsicherheiten reduzieren (Ablauf, Vorbereitung, Erwartungen) sind im beratungsintensiven Umfeld ein zentraler Conversion-Hebel. Das Händlerprojekt macht deutlich, dass sich mithilfe einer klaren Analyse, einfacher KI-Integration und optimierten Prozessen auch mittelständische Handelsunternehmen unkompliziert digital verbessern können.