Retouren-Netzwerk für den E-Commerce
Das Start-up Xpeer entwickelt ein Netzwerk für Retourenmanagement, das Händler:innen hilft, Retourenrisiken mithilfe gemeinsamer, anonymisierter Daten frühzeitig zu erkennen.
Was macht euer Start-up und warum glaubt ihr, wird sich eure Geschäftsidee durchsetzen?
Xpeer entwickelt ein kollaboratives Retouren-Netzwerk für den E-Commerce. Über Xpeer können Händler:innen bereits beim Kauf eine Einschätzung der Retourenwahrscheinlichkeit erhalten und diese Information in ihre Entscheidungen einbeziehen. Grundlage dafür sind Erkenntnisse aus dem Netzwerk teilnehmender Händler:innen, ohne dass persönliche oder identifizierbare Kundendaten zwischen den Händlern geteilt werden. Dadurch können Muster sichtbar werden, die ein einzelner Shop anhand seiner eigenen Daten möglicherweise nicht erkennen würde. Die Idee wurde 2025 gemeinsam mit einer Schweizer Universität gegründet und entwickelt sich seitdem gemeinsam mit potenziellen und bestehenden Partnern weiter. Wir glauben, dass sich der Ansatz durchsetzen kann, weil Retouren für den Onlinehandel ein relevantes Kosten- und Planungsproblem darstellen und Händler:innen zunehmend nach Möglichkeiten suchen, früher anzusetzen.
Was waren die größten Hürden, die ihr auf eurem Gründungsweg überwinden musstet?
Eine der grössten Herausforderungen war der Aufbau des Netzwerks. Für einen einzelnen Händler ist der Nutzen zunächst schwer greifbar, wenn nur wenige andere Händler am Netzwerk teilnehmen. Gleichzeitig ist ein möglichst grosses und vielfältiges Netzwerk wichtig, damit aus den gemeinsamen Daten aussagekräftige Erkenntnisse entstehen können. Eine weitere Herausforderung war der Datenschutz, da im Zusammenhang mit Retouren teilweise sehr persönliche Informationen verarbeitet werden können. Deshalb musste von Anfang an genau überlegt werden, welche Daten benötigt werden und wie diese geschützt und anonymisiert verarbeitet werden können. Diese beiden Themen – Vertrauen und Netzwerkaufbau – begleiten uns bis heute.
Wo geht die Reise hin? Was sind eure Ziele für 2026 und für die nächsten fünf Jahre?
2026 liegt unser Fokus darauf, das Netzwerk weiter zu vergrössern und neue Partnerschaften mit Händler:innen und relevanten Akteuren im E-Commerce aufzubauen. Gleichzeitig wollen wir das Produkt gemeinsam mit unseren Kund:innen weiterentwickeln und möglichst nah an ihren tatsächlichen Anforderungen bleiben. In den kommenden fünf Jahren soll Xpeer zu einem etablierten Netzwerk für datenbasiertes Retourenmanagement im E-Commerce werden. Unsere Vision ist, dass Händler:innen Retourenrisiken nicht mehr nur im Nachhinein analysieren, sondern bereits vor dem Versand besser einschätzen können. Dafür soll ein möglichst grosses und branchenübergreifendes Netzwerk entstehen, von dessen gemeinsamen Erkenntnissen alle teilnehmenden Händler:innen profitieren können.
Wie seid ihr bekannt geworden?
Auf Xpeer aufmerksam geworden sind Händler:innen und weitere Akteure aus dem E-Commerce unter anderem durch Messen und Veranstaltungen. Auch die Zusammenarbeit und der Austausch mit dem Handelsverband Schweiz haben dabei eine wichtige Rolle gespielt. Darüber hinaus nutzen wir LinkedIn, um über Xpeer, unsere Themen und Entwicklungen im Bereich Retourenmanagement zu informieren. Gerade für ein junges Unternehmen ist der persönliche Austausch auf Veranstaltungen wichtig, weil sich dort direkte Gespräche mit Händler:innen und potenziellen Partnern ergeben. Unsere Bekanntheit entsteht daher vor allem durch die Verbindung aus persönlichem Austausch, Partnerschaften und unserer Präsenz in relevanten Fachkanälen.
Wie geht ihr mit Rückschlägen um?
Bei einem jungen Unternehmen gehört es dazu, dass nicht jede Idee oder jeder Ansatz sofort funktioniert. Wir versuchen deshalb, Rückschläge möglichst als Lernprozess zu betrachten und herauszufinden, was wir daraus für das Produkt und unser Vorgehen ableiten können. Gerade beim Aufbau eines Netzwerks ist es wichtig, geduldig zu bleiben und nicht jede Absage als grundsätzliches Urteil über die Geschäftsidee zu verstehen. Gleichzeitig nehmen wir Rückmeldungen von Händler:innen ernst und prüfen, ob wir unser Produkt oder unsere Vorgehensweise anpassen müssen. Entscheidend ist für uns, weiter im Austausch mit dem Markt zu bleiben und aus den Erfahrungen die nächsten Schritte abzuleiten.
Welche Tipps könnt ihr Gründer:innen mit auf den Weg geben?
Wir würden Gründer:innen empfehlen, möglichst früh mit den Menschen zu sprechen, für die das eigene Produkt entwickelt wird. Gerade am Anfang kann man sehr viel lernen, wenn man nicht nur über die eigene Idee spricht, sondern genau zuhört, welche Probleme potenzielle Kund:innen tatsächlich haben. Gleichzeitig sollte man bereit sein, die eigene Vorstellung anzupassen, wenn die Rückmeldungen aus dem Markt etwas anderes zeigen. Beim Aufbau eines Netzwerks ist ausserdem Geduld wichtig, weil Vertrauen und langfristige Partnerschaften nicht von heute auf morgen entstehen. Und schliesslich sollte man sich nicht von einzelnen Rückschlägen entmutigen lassen, sondern sie nutzen, um das eigene Unternehmen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
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